Molecular Partners AG

Radioliganden bringen neuen Schwung bei Molecular Partners

Frühe Daten aus der klinischen Entwicklung der DARPin-Moleküle von Molecular Partners in Kombination mit Radioisotopen zeigen eine zielgenaue Verteilung am Tumor. Mit dem Einschwenken auf die Radioliganden-Bewegung haben sich die Schweizer zwar in einen bereits fahrenden Zug gesetzt, geben der eigenen Technologieplattform damit aber einen frischen Impuls. Der Wirksamkeitsnachweis steht jedoch noch aus.

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Der Schweizer Biotech-Entwickler Molecular Partners richtet seine Pipeline zunehmend auf radiopharmazeutische Krebstherapien aus. Einen weiteren Schritt in diese Richtung markiert nun eine neue Entwicklungsvereinbarung mit dem Isotopenspezialisten Eckert & Ziegler. Ziel der Kooperation ist die Entwicklung und Herstellung sogenannter Radio-DARPin-Therapeutika, bei denen zielgerichtete Proteinmoleküle radioaktive Isotope direkt zu Tumoren transportieren.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen vor allem alpha- und beta-strahlende Isotope wie Actinium-225 und Lutetium-177. Eckert & Ziegler soll dabei seine Infrastruktur und radiochemische Expertise einbringen, unter anderem aus dem neu aufgebauten Alpha-Labor in Berlin. Für Molecular Partners eröffnet die Kooperation Zugang zu wichtigen Produktions- und Entwicklungsressourcen, um die unternehmenseigenen Radiopharmaka-Programme schneller voranzubringen.

DARPin: Eigene Molekülstruktur als Legobausteine

Das Zürcher Unternehmen setzt dabei bereits seit der Gründung 2004 auf seine proprietäre DARPin-Technologie (Designed Ankyrin Repeat Proteins). Diese kleinen, stabilen Bindungsproteine lassen sich gezielt auf Tumorstrukturen ausrichten und eignen sich daher als Träger für radioaktive Nutzlasten. In Kombination mit therapeutischen Isotopen sollen sie Strahlung möglichst präzise in Tumorgewebe bringen und gesundes Gewebe schonen – ein Ansatz, der derzeit zu den dynamischsten Bereichen der Onkologie zählt.

Molecular Partners hat in den vergangenen Jahren begonnen, diese Plattform systematisch auf die Radioligand-Therapie auszudehnen. Ein zentrales Programm ist der Kandidat MP0712, der gegen das Tumorantigen DLL3 gerichtet ist und für die Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs entwickelt wird. Für dieses Programm wurde kürzlich eine kombinierte Phase I/IIa-Studie gestartet, die erste Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit liefern soll.

Frühe Daten sprechen für gute Zielerkennung

Molecular Partners gab im Herbst vergangenen Jahres die baldige Präsentation neuer Daten zu MP0712 bekannt, die mittlerweile auf dem Targeted Radiopharmaceuticals (TRP) Summit Europe vorgestellt wurden. Diese ersten ermutigenden Bildgebungsdaten aus der Anwendung beim Menschen liefern dem Unternehmen nach auch unterstützende Daten zum Wirkmechanismus. Der Wirkstoffkandidat wird gemeinsam mit dem strategischen Partner Orano Med zur Behandlung von Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC) und anderen neuroendokrinen Tumoren entwickelt. Die Bilder der diagnostischen Anwendung stammen von einem Patienten der Nuclear Medicine Research Infrastructure (NuMeRI) in Südafrika, der im Zuge einer Compassionate-Use-Anwendung für den Test der DARPin-Bildgebungsisotopenkombination ausgewählt wurde.

„Die Bilder zeigen eine gezielte Anreicherung von MP0712 in Tumoren bei gleichzeitig geringer Exposition gesunder Organe wie Niere und Leber. Das ist ein wichtiger Meilenstein für MP0712 und deutet auf sein Potenzial in einer klinischen Anwendung hin, wenn es das radioaktive Therapeutikum 212Pb als Nutzlast trägt. Damit entsteht eine solide Grundlage für die weitere klinische Entwicklung. Wir setzen die Vorbereitungen für die anstehende Phase-1-Studie mit MP0712 fort und freuen uns darauf, 2026 weitere Radio-DARPin-Programme voranzubringen“, kommentierte Patrick Amstutz, CEO von Molecular Partners.

Weitere Kombinationen in Arbeit, doch der Radioliganden-Zug fährt bereits

Parallel baut das Unternehmen eine breitere Radio-DARPin-Pipeline auf und prüft verschiedene radioaktive Isotope, um die Eigenschaften der Wirkstoffe an unterschiedliche Tumorbiologien anzupassen. Präklinische Daten zu mehreren dieser Programme will Molecular Partners im Frühjahr auf einem internationalen Radiopharma-Kongress vorstellen.

Mit der strategischen Fokussierung auf zielgerichtete Radiotherapie versucht Molecular Partners, seine DARPin-Plattform in einem schnell wachsenden Marktsegment zu positionieren. Die Kooperation mit Eckert & Ziegler unterstreicht dabei den Anspruch, von frühen Entwicklungsarbeiten bis zur klinischen Produktion eine tragfähige Infrastruktur für diese neue Generation von Radiopharmaka aufzubauen. Doch Molecular Partners befindet sich noch in einer sehr frühen klinischen Phase. Bisher wurden nur wenige Patienten behandelt. Doch der Schnellzug der Radioliganden-Therapeutika hat bereits gewaltig Fahrt aufgenommen. Viele Ansätze sind bereits zugelassen, eine große Zahl steht in der späten Phase der klinischen Entwicklung oder im Zulassungsprozess.

Das Team um Amstutz muss nun Tempo machen und gleichzeitig mit einem Wirkungsnachweis weiterhin die Vorteil der DARPins gegenüber dem traditionellen Antikörperformat herausstellen. Zudem gilt sicherlich auch für die DARPins – einer Erfindung von Prof. Dr. Andreas Plückthun, der auch bei der Gründung der Münchner Morphosys eine wichtige Rolle spielte – das, was erfahrene Antikörperexperten immer wieder betonen: jedwede Modifikation des Antikörpers macht daraus ein neues Molekül, das in der Tiefe neu analysiert und in der Herstellbarkeit überprüft werden muss –jedesmal mit großem Zeitaufwand.

Der Radioliganden-Zug fährt also, Molecular Partners hat noch einen der letzten freien Plätze erwischt, ob die Fahrkarte bis zum Zielbahnhof gültig bleibt, kann nur der Zugbegleiter entscheiden. Und der Zugbegleiter in diesem Bild könnten die großen Pharmafirmen sein, die derzeit zumindest lieber auf sichere Wetten setzen, als das Risiko einer nicht vollständig validierten Plattformtechnologie anzunehmen.

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